Pro Fans

Im Sommer 2009 haben sich die an ProFans beteiligten Fan- und Ultras-Gruppen in Hannover getroffen und über die Ausrichtung und Ziele unseres Bündnisses gesprochen. Die zentralen Punkte unseres Selbstverständnisses und unsere wichtigsten Forderungen haben wir im Folgenden zusammengefasst.

  1. Fans und Fankultur sind ein unverzichtbarer Bestandteil des FußballsProFans unterstützt die Interessen von Fußballfans, die – daheim wie auch auswärts – eine stimmungsvolle, bunte, laute, bewegte, von Spaß und Freude dominierte Stadionatmosphäre tragen, die die Mannschaft des eigenen Vereins lautstark und ideenreich unterstützen und die Schwächen des sportlichen Gegners augenzwinkernd aufs Korn nehmen. ProFans unterstützt die Fans in ihrem Bestreben, Fußballbegegnungen damit auch zu einem eindrucksvolleren, interessanteren und schöneren Erlebnis für “normale” Zuschauer in den Stadien und am Fernseher werden zu lassen. Wir haben das Verständnis, dass diese Fankultur ein unverzichtbares Element des Fußballs ist, ohne die der Fußball, wie ihn heute Millionen lieben, nicht denkbar wäre, und werden für den Erhalt dieser Fankultur kämpfen.
  2. Fans sind kein Sicherheitsrisiko! Wir wehren uns gegen Kollektivstrafen und VorverurteilungProFans ist in großer Sorge darüber, dass das Sicherheitsbestreben von Veranstaltern, Politikern und Polizei dazu führt, dass friedliche Fußballfans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, seitens der Staatsmacht immer öfter unannehmbaren Repressalien bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt werden. Das trifft vor allem auf Fußballfreunde zu, die zu Auswärtsspielen reisen.ProFans sieht es als nicht hinnehmbar an, dass jeder einzelne Fußballfan regelmäßig unter anderem damit rechnen muss,
    • unabhängig von einem etwaigen konkreten Anlass bis zur gesamten Dauer des Aufenthaltes in der “Gastgeber”-Stadt im Polizeikessel gefangengehalten zu werden oder Platzverweise zu erhalten,
    • ohne eine Verfehlung begangen zu haben, für die Dauer des Spiels oder auch länger in Polizeigewahrsam genommen zu werden,
    • schuldlos und ohne die Möglichkeit, sich zu entfernen, polizeilichen Attacken wie Prügel-, Reizgas- oder Wasserwerfereinsätzen ausgesetzt zu werden,
    • durch polizeiliche Maßnahmen körperlich verletzt zu werden, ohne dass die Polizei sich um die verletzten Personen kümmert, bis hin dazu, dass die Hilfe von Sanitätern verwehrt wird,
    • das Recht der späteren Überprüfung der Rechtmäßigkeit polizeilicher Maßnahmen nicht wirksam wahrnehmen zu können, weil die Beamten die Preisgabe eines Identifikationsmerkmales verweigern,
    • trotz gültiger Eintrittskarte und Beachtens der Stadionordnung nicht ins Stadion eingelassen zu werden, etwa weil traditionell übliche Fanutensilien oder gar nur notwendige Medikamente oder Hygieneartikel mitgeführt werden,
    • daran gehindert zu werden, das Stadion zu verlassen,
    • durch Polizeikräfte oder Ordner in provozierender, entwürdigender oder beleidigender Weise behandelt zu werden,
    • daran gehindert zu werden, die Notdurft zu verrichten, weil sich innerhalb des Polizeikessels keine Toilette befindet,
    • nur wegen eines unbewiesenen Verdachts von einem langfristigen bundesweiten Betretungsverbot für Fußballstadien betroffen zu werden.

  3. Das Verhältnis zur Polizei ist zerrüttetWenn, wie von diversen Studien bestätigt, eine weit überwiegende Mehrheit von Fußballfans ihr Verhältnis zur Polizei als schlecht ansieht, dann ist dies eine Bankrotterklärung für die Polizeiarbeit in dem Metier. Das Verhältnis ist zerrüttet. Immer wieder erleben wir, dass Situationen erst DURCH unbesonnenes Eingreifen der Polizei eskalieren. Aber das Verhältnis zur Gesamtzahl der Spiele zeigt auch, dass Hysterie völlig unangemessen ist. Fußballfans in fünfstelliger Anzahl in Deutschland als potentielle Gewalttäter einzustufen – unglaubwürdiger geht es nicht. Überhartes Vorgehen der Polizei aus nichtigen Anlässen und Maßregelungen gegen Unschuldige sind ein Schlag ins Gesicht aller, die sich in den Fanszenen um Besonnenheit und gewaltfreies Verhalten bemühen.Praktisch nirgends gibt es heute in Deutschland größere Zusammenstöße zwischen Fangruppen. Im Gegenteil: Je zahlreicher Fans verschiedenster Sozialisation anwesend sind, desto geringer ist die Gefahr eskalierender Situationen. Auseinandersetzungen entzünden sich vielmehr im Protest gegen überzogene Ordner- oder Polizeieinsätze insbesondere gegen “Gästefans”, die nicht nur von einigen wenigen, sondern von der Masse der Fans und zunehmend auch von Außenstehenden als ungerechtfertigte Schikane empfunden werden. Es ist schwer, die Fassung zu bewahren, wenn man sich als Mensch zweiter Klasse behandelt sieht. Beispiele belegen, dass sogar hauptamtliche Fanbetreuer, die sich als solche ausweisen, neuerdings nicht mehr vor polizeilichen Prügelattacken sicher sind. Damit geht ein nicht hinnehmbarer Respektverlust der Staatsmacht einher.Es ist uns bewusst, dass die Rituale einiger Gruppen begrenzte Formen von Angriffen auf rivalisierende Gruppen gleicher Ebene nicht ausschließen. Ohne das gutzuheißen, mahnen wir jedoch an, dass dies nicht als Anlass dienen darf, um unter dem Deckmantel der Prävention die Bürgerrechte großer Teile der Fußballfans auszuhebeln und Einzelne auch dann noch zu verfolgen, wenn fest steht, dass ihnen kein Fehlverhalten zur Last gelegt werden kann.

  4. Ein Platz für die Fans im modernen FußballProFans unterstützt die Fans der verschiedenen Vereine, die als Teil des Fußballs akzeptiert werden wollen und sich gegen die maßlose Kommerzialisierung des Fußballs aussprechen. Uns ist klar, dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt und wirtschaftliche Interessen in unseren Fußballvereinen eine Rolle spielen. Wir mahnen an dieser Stelle aber an, dass dabei ein Maß eingehalten werden muss. An erster Stelle müssen die Interessen des Vereins, seiner Mitglieder und Fans und des Sports stehen, nicht die der Sponsoren und Konzerne. Fußball ist Volkssport und muss es auch bleiben.Stehplätze sind eine wichtige und nicht zu unterschätzende Voraussetzung für Fansupport und damit einem der wichtigsten Faktoren, die den Fußball als Massen mobilisierende Sportart attraktiv machen und daher unbedingt erhalten werden müssen. Wir unterstützen den Deutschen Fußball-Bund in seinen Bestrebungen die so genannte 50+1-Regel zu erhalten, die verhindert, dass Finanzinvestoren und Konzerne unsere Vereine für Spekulationsgeschäfte missbrauchen. Mit Bedauern stellen wir fest, dass unter anderem bei der Festlegung der Anstoßzeiten ausschließlich die Interessen der Fernsehsender berücksichtigt und die Interessen der Fans, vor allem derer, die ihre Mannschaft auch auswärts unterstützen, vernachlässigt werden.

  5. Fankultur braucht FreiheitEine bunte, kreative und laute Fankultur, die auch selbstregulierend tätig werden kann, braucht Freiheit. Heute sehen sich die Fans bei der kreativen Entfaltung mittels Choreographien, aber auch bei alltäglichen Fangegenständen wie Trommeln, Fahnen, Doppelhaltern oder Megaphonen unsinnigen und willkürlichen Einschränkungen ausgesetzt. Eine Freie Meinungsäußerung mittels Flugblättern und Spruchbändern wird oft eingeschränkt, zensiert oder ganz verboten. All dies bedroht nicht nur eine freie und eigenverantwortliche Fankultur sondern sorgt vor allem bei jugendlichen Fans für Unverständnis und Frustration.

  6. Für einen verantwortlichen und legalen Einsatz von PyrotechnikWir sehen auch einen verantwortungsvollen Umgang mit Pyrotechnik als Teil von Fankultur, der eine beeindruckende Atmosphäre erzeugen kann. Mit Verwunderung nehmen wir wahr, wie derzeit sehr erfolgreich versucht wird, Pyroshows in den Fankurven mit Gewalt und Hooliganismus gleichzusetzen. Dieser Zusammenhang erschließt sich uns nicht. Dabei stellen wir eine unsägliche Doppelmoral fest, die einmal eben diesen Zusammenhang konstruiert und dann aber bei anderen Gelegenheiten bewusst werbewirksam die „südländische Atmosphäre“ einfängt. Während in jeder Saison Dutzende von Zuschauern, die, ohne sich an Auseinandersetzungen zu beteiligen, durch unverhältnismäßig gewaltsame Polizeieinsätze körperlichen Schaden erleiden, ist kaum ein Fall bekannt, dass Menschen durch bengalische Fackeln im Fanblock verletzt wurden.

  7. Es ist notwendig, jetzt zu handeln! Nur zusammen können wir etwas erreichenProfans ist ein Bündnis verschiedenster Fan- und Ultras-Gruppen und arbeitet als Netzwerk. Wir sehen es als unverzichtbar an, uns als Fans jetzt Gehör zu verschaffen und für unsere Interessen einzutreten. Deswegen fordern wir alle bisher nicht an ProFans beteiligten Gruppen auf den Kontakt mit uns zu suchen. Bei uns sind alle Fans willkommen, die diese Grundsätze und Ziele mit uns teilen. Kein Platz ist in unseren Reihen für Rassisten und Nazis.

  8. Wir sind zu einem ehrlichen Dialog bereitDie Initiative ProFans ist jederzeit zum Dialog über Fragen der Fußballatmosphäre, Fankultur und Sicherheit bereit. Dieser Dialog muss aber ein ehrlicher sein, in dem auch unseren Standpunkten Gehör geschenkt wird. Auch muss dieser Dialog greifbare Resultate zum Ziel haben, in die die Positionen aller Seiten einfließen.

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